Wie stark strahlt Ihr Auto?

Grosse Unterschiede bei Magnetfeldern in Fahrzeugen

Im Citroen Berlingo gibts nur einen Sechstel so viel Elektrosmog wie im VW Lupo. Das freut Astrid Bühlmann aus Kaufdorf BE: Seit sie mit einem Berlingo herumkurvt, sind ihre Schmerzen weg.

Monatelang plagte Astrid Bühlmann ein dumpfer Schmerz im Bein – immer dann, wenn sie sich hinters Steuer ihres Autos geklemmt hatte. “Selber schuld, ich sitze wohl zu krumm”, dachte Bühlmann und setzte sich aufrechter hin, machte Gymnastik während des Fahrens, zog andere Schuhe an.

Alles nützte nichts. Der Schmerz vom linken Knie abwärts wollte nicht vergehen. Auch ein Bewegungs-Therapeut konnte nicht helfen, stelle aber fest, dass Astrid Bühlmann elektrosensibel ist.

Dass ihre Beschwerden mit dem Elektrosmog in ihrem neuen Toyota Avensis 1999 zu tun haben könnten, darauf kam Frau Bühlmann jedoch nicht. So vermass sie Haus und Umgebung, ohne auf nennenswerte magnetische Felder zu stossen. Erst, als sie das ausgeliehene Messgerät zurückbringen wollte und es gedankenverloren im Auto nochmals einschaltete, stiess sie darauf: “Das Magnetfeld war so stark, dass das Gerät gar nicht mehr messen konnte.”

Mit Messgerät und Block von Garage zu Garage

Astrid Bühlmann fährt täglich bis vier Stunden Auto und ihr war klar: Ein weniger belastetes Auto musste her. So machte sie sich mit Messgerät und Block auf die Suche und war gefasst, als Spinnerin abgetan zu werden. Doch das Gegenteil traf ein: “Ein Garagist testete eigenhändig alle Autos und kam zum Schluss, er könne mir keines anbieten. Ein anderer bat mich sogar, seinen Arbeitsplatz zu vermessen.”

Nach zwölf Garagen wählte sie schliesslich den strahlungsärmsten Citroen Berlingo Diesel 1997 mit 97'000 Kilometern. Seit November fährt Bühlmann nun dieses Auto – und bis heute tauchten die Schmerzen nie mehr auf. “Zudem fahre ich weniger nervös. Vorher war ich immer auf der Überholspur.”

Der K-Tipp liess Josef Peter nachmessen. Der diplomierte Elektro-Installateur prüfte bei Standgas die Magnetfelder im Fuss- und Sitzbereich der Lenkerin. Resultat: Der Citroen Diesel gibt tatsächlich nur ein Drittel so viel Elektrosmog ab wie der Toyota 1999 mit Benzinmotor. Toyota-Vizedirektor Eduard Tschanz schliesst einen Zusammenhang zwischen Bühlmanns Beschwerden und ihrem Toyota nicht aus. “Denn ähnlich wie bei Allergien können Menschen unterschiedlich stark auf magnetische Felder reagieren.” Allerdings höre er zum ersten Mal von Problemen wegen Elektrosmog in einem Toyota und sagt: “Das ist kein markenspezifisches Problem.”

Bei einer Stichprobe fand der K-Tipp Autos, die noch stärkere Magnetfelder aufweisen als der Toyota 1999. Am meisten belastet ist der neue VW Lupo Diesel mit 1679 Nanotesla. Warum das so ist, konnte VW bis Redaktionsschluss nicht erklären. Mirjana Moser, Physikerin im Bundesamt für Gesundheit, vergleicht diesen Wert mit dem Magnetfeld einer Kochplatte – eine der stärksten Belastungen im Haushalt. “In der Summe der täglichen Belastungen kann dieser Beitrag durchaus ins Gewicht fallen”, sagt Moser.

Der getestete BMW hingegen, ein vierjähriger Benziner, kommt nur auf 342 Nanotesla. Hat das Ergebnis damit zu tun, dass in älteren Autos weniger Elektronik steckt? BMW-Sprecher Philipp Odermatt widerspricht: “Beim neuen Modell wurde die Elektronik optimiert.” BMW platziere Teile mit grossen Strömen möglichst weit weg von der Fahrgastzelle. So befinde sich das Steuerungsgerät in einer abgeschirmten Box im Motorenraum.

Den besten Wert aber erzielte Bühlmanns heutiger Citroen Diesel: 248 Nanotesla entsprechen in etwa dem Feld eines strahlungsarmen Computers mit Gütesiegel der schwedischen Gewerkschaft TCO. Die Grenze liegt bei 200 Nanotesla und hat sich auf dem Computer-Markt etabliert. Für Autos aber fehlt eine solche Norm, ebenso gesetzliche Grenzwerte.

Elektronik erhöht Komfort – aber auch die Strahlung

Bei Fachleuten gelten Diesel tatsächlich als weniger belastet, da sie ohne Zündanlage auskommen. Doch ausgerechnet ein moderner Diesel hat in der Stichprobe das stärkste Magnetfeld. Das überrascht Karl Meier nicht. “Der Trend läuft auch bei Diesel zu mehr Elektronik”, sagt der Dozent an der Hochschule für Technik in Biel. Erstens soll der Abgaswert verbessert, zweitens der Energieverbrauch gedrosselt werden. Drittens wolle der Fahrer möglichst viel Komfort. “Das kann man nur mit mehr Elektronik erreichen.”

Und je mehr Elektronik die Hersteller in ein Auto packen, desto mehr Felder treten auf. Diese können Lenker und Beifahrer belasten, weil der Fussbereich in den Motorenraum hineinreicht. Deshalb müssten Autobauer die Elektronik abschirmen und möglichst weit weg vom Fahrer platzieren. “Mir bleibt als nicht anderes übrig, als beim nächsten Autokauf wieder mein Gerät zu zücken und auf verständnisvolle Verkäufer zu hoffen”, sagt Astrid Bühlmann.