Gesammelte Studien
Hochfrequenz: Untersuchung biologischer Effekte
Mobilfunk-Befürworter sowie Kommissionen zur Festlegung von Grenzwerten (u.a. ICNIRP) behaupten weiterhin, dass athermische Wirkungen von Mobilfunk-Strahlungen noch nicht erwiesen sind. Dass dem nicht so ist, zeigt die folgende Aufstellung ausgewählter Studien, die die verschiedensten biologischen Effekte durch Hochfrequenz- und Niederfrequenzstrahlungen untersuchten.
Effekte auf das genetische Material (DNA)
Lai und Singh (1995) entdeckten eine dosisabhängige Zunahme von Einzel- und Doppelstrangbrüchen in Hirnzellen, die über zwei Stunden gegenüber einem Feld von 2450 MHz exponierten waren. Der Effekt konnte sowohl bei gepulster als auch bei kontinuierlicher Bestrahlung nachgewiesen werden.
Philips et al. (1998) berichteten über Einzelstrangbrüche unter Exposition mit Mobilfunkfrequenzen niedriger Intensität. Philips vermutete, dass niederfrequente Felder sowohl die Nukleinsäure direkt schädigten als auch Reparaturprozesse hemmten und so zum Zelltod führten.
Chromosomale Schäden und Mikrokerne
Garay-Vrhovac et al. (1999) entdeckten, dass bei Arbeitern, die chronisch Hochfrequenz- Feldern (von 1250 – 1350 MHz) ausgesetzt waren, die Zahl der Mikrokerne erhöht war.
Vijayalaxmi et al. (1997,1998) zeigten denselben Effekt an peripheren Blutzellen und Knochenmarkszellen von Mäusen mit erhöhter Neigung zur Krebsentstehung unter 2450 MHz Bestrahlung.
Maes et al. (1993) exponierten menschliche Blutlymphozyten gegenüber 2450 MHz-Feldern und stellten eine deutliche Zunahme an Chromosomenschäden und Mikrokernen fest. Die Chromosomenschäden nahmen mit der Dauer der Exposition zu. In einem anderen Experiment wurde Vollblut dem Feld einer GSM-Basisstation ausgesetzt. In einer Entfernung von weniger als 5 cm traten innerhalb von zwei Stunden vermehrt Chromosomenschäden auf.
Gen-Transkription und -Induktion
Goswami et al. (1999) kam in seinen Versuchen zu dem Ergebnis, dass spezifische Gene von RF-Signalen aus Mobiltelefonen beeinflusst werden können.
Stressreaktion
Daniells et al. (1998) wiesen nach, dass Fadenwürmer auf Mikrowellenstrahlung mit Stress reagieren. Mit diesem Experiment konnte gezeigt werden, dass Mikrowellenstrahlung bereits bei niedrigen Energiedosen eine heftigere Stressantwort hervorrief als Hitze. Mikrowellen führten zu Schäden an intrazellularem Protein und zur Induktion von Hitzeschockprotein.
Effekte der Mikrowellenstrahlung auf zellularer Ebene
Adey (1993) bietet einen Überblick zu zellulären Bioeffekten von Mikrowellen, die nicht auf der Erwärmung des Gewebes beruhen (sog. athermische Effekte).
Dutta et al. (1989) berichten über Veränderungen im Kalzium-Ionen Haushalt sowohl in den Nervengeweben von Vögeln und Katzen, wie auch in menschlichen Neuroblastom-Zellen. Das Gleichgewicht der Kalzium-Ionen ist für die Zellkommunikation, Zellwachstum und andere lebenswichtige Prozesse sehr bedeutend.
Zelluläre Effekte am Immunsystem
Fensenko et al. (1999) fanden heraus, dass eine Ganzkörperbestrahlung männlicher Mäuse bei einem Leistungsfluss von uW/cm2 das Immunsystem signifikant beeinflusste.
Lyle et al. (1983) kamen in ihren Studien zu dem Ergebnis, dass RF-Strahlung eine Reduktion der zellulären Immunfunktion bewirkte.
Melatonin
Burch et al. (1997, 1998) fanden heraus, dass elektromagnetische Felder die Melatoninproduktion erheblich reduzieren. In verschiedenen anderen Versuchen konnte auch beobachtet werden, dass niederfrequente elektrische und magnetische Wechselfelder die Melatoninproduktion hemmen, ihre Funktion beeinträchtigen, eine andere Verteilung im Körper bewirken oder dass das Melatonin schneller abgebaut wird. Diese Erkenntnisse sind deswegen so brisant, weil Melatonin äusserst wichtig für den Körper ist: Es hemmt das Wachstum bestimmter Tumore und fördert das Immunsystem (eine verringerte Melatoninkonzentration könnte also das Tumorrisiko erhöhen). Ausserdem wirkt Melatonin hemmend auf die Produktion von Geschlechtshormonen, was auf einen gewissen Schutz gegen das Wachstum hormonabhängiger Tumoren wie Brust-, Gebärmutter- oder Prostatakrebs hinweist.
Bei einer Untersuchung mit weiblichen Ratten, denen man einen chemischen Stoff verabreichte, der bei einem Teil Brustkrebs auslöste, kamen die Forscher zu folgenden Ergebnissen: Nach dreimonatigem Aufenthalt in einem magnetischen Feld von 100 uT erkrankten diese Tiere im Vergleich zu den Kontrollratten ohne Elektrosmog zu 50% häufiger an Brustkrebs. (100uT ist übrigens in Deutschland der erlaubte Grenzwert für niederfrequente magnetische Felder). Man geht davon aus, dass Veränderungen im Melatonin und damit auch im Körperrhythmus nicht nur bestimmte Depressionsformen, sondern auch Symptome wie Erschöpfung, Bluthochdruck und verminderte Abwehrkraft begünstigt.
Blut-Hirn-Schranke
Perrson et al. (1997) berichteten über pathologische Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke unter 915 MHz Mobilfunk-Frequenz sowohl bei CW als auch bei gepulster Strahlung. Die Blut-Hirn- Schranke spielt eine wichtige Rolle, indem sie die Aufnahme von Toxinen aus dem Blut ins Gehirn verhindert und so das Gehirn vor Schäden schützt. Sie weist eine selektive Permeabilität auf, so dass einige Molekühle durchgelassen werden, andere aber nicht. So erfüllt sie neben der Schutzfunktion auch die Aufgabe der Aufrechterhaltung eines optimalen Nährstoffgleichgewichts in den Hirnflüssigkeiten.
Blutdruck
Lu et al. (1999) stellten fest, dass Ultraweitband-Elektromagnetische-Pulse in Ratten niedrigeren Blutdruck bewirkten. Ausserdem kam es zu einer signifikanten Senkung des arteriellen Druckes ohne Beeinflussung der Herzfrequenz.
Geschlechtsorgane
Dasdag et al. (1999) exponierten Mäuse gegenüber Mobiltelefon-Feldern und fanden deutliche strukturelle Veränderungen in den Hoden. Sowohl im Sprach als auch im Stand-by-Modus kam es zu Schrumpfungen der Samenkanälchen im Durchmesser. Die Exposition fand über einen Monat sechsmal täglich je eine Minute statt.
Krebs
Krebs als relevanter Endpunkt von RF-Strahlung ist seit 29 Jahren untersucht worden und sowohl Tierexperimente als auch Untersuchungen am Menschen weisen auf einen Zusammenhang zwischen bestimmten Formen der Exposition und Krebs hin. Die grösste Sorge bezüglich der Mobilfunk-Technologie besteht in der raschen weltweiten Verbreitung, wodurch binnen kürzester Zeit Millionen Anwender einer potentiellen Gefahr ausgesetzt werden, wobei sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Hirntumore verdichten.
Guy et al. (1984) führten im Auftrag der US Air Force über zwei Jahre eine Studie mit Ratten durch. Ziel der Studie war, die Tiere während ihres gesamten natürlichen Lebens einer FR- Strahlung von 450 MHz auszusetzen und somit die kumulativen Effekte auf Lebensdauer und allgemeine Gesundheitsindikatoren zu untersuchen. Das Ergebnis zeigte eine vierfache, statistisch signifikante Zunahme von Krebserkrankungen.
Repacholi et al. (1997) fanden bei transgenen Mäusen unter 900 MHz GSM-Frequenz eine signifikante 2,4-fache Erhöhung der Lymphomindizenz. Dabei wurden normale GSM-Signale über nur zweimal täglich je eine halbe Stunde verwendet (Geschäftsreisende telefonieren derzeit oft mehr als drei Stunden täglich).
Hardell (1999) berichtete über ein erhöhtes Risiko für Hirntumore bei Benutzern von Mobiltelefonen.
Das nationale Institut für Umweltgesundheitswissenschaften (1999) hat nach sechsjähriger Forschung im Auftrag des US-Kongresses festgestellt, dass die Ergebnisse der Studien mit Menschen schwach darauf hindeuten, dass niederfrequente elektromagnetische Felder zu einer erhöhten Blutkrebsrate führen. Elektromagnetische Felder sollen demnach als möglicherweise krebserzeugend beim Menschen betrachtet werden.
Lernfähigkeit und Gedächtnis
Lai et al. (1994) kamen zu dem Ergebnis, dass Ratten, die für 45 Minuten gegenüber 2450 MHz RF-Srahlung exponiert waren, ein Lerndefizit im Sternlabyrinth, einem Testsystem zur Untersuchung des (räumlichen) Kurzzeitgedächtnisses aufwiesen.
Kraus (2000) berichtet, dass die Strahlung von Mobilfunktelefonen die Reaktionszeit während einer Gedächtnisaufgabe signifikant beeinflusste.
Schlaf
Mann & Röschke (1996) fanden heraus, dass F-Felder (ähnlich dem Mobilfunkbereich) den REM Schlaf reduzierten und das EEG Signal während des REM Schlafes veränderten. Der REM Schlaf ist für die Informationsverarbeitung im Gehirn essentiell, besonders für die Lern- und Gedächtnisfunktion.
Borbely et al. (1999) berichteten, dass Schlafmuster und Schlaf-EEG unter Exposition gegenüber 900 MHz verändert wurden.